Antriebslosigkeit und Rückzug – ein Fallbeispiel aus der Praxis
Dieser Text beschreibt anhand eines Fallbeispiels, wie Antriebslosigkeit und innerer Rückzug entstehen können, ohne dass eine Depression vorliegt, und wie dieser Zustand therapeutisch verstanden und begleitet werden kann.
Das Gefühl, innerlich stehen geblieben zu sein
Herr K. kam mit dem Gefühl in die Praxis, innerlich stehen geblieben zu sein. Er funktionierte im Alltag, erledigte seine Aufgaben, fühlte sich jedoch zunehmend leer und erschöpft.
Alles, was früher selbstverständlich war, kostete ihn übermäßig viel Kraft. Er zog sich zurück, sagte Verabredungen ab und verbrachte seine Abende zunehmend allein.
Schuldgefühle und Selbstkritik
Gleichzeitig quälten ihn Schuldgefühle. Er war überzeugt, sich zusammenreißen zu müssen. Dass er Freude empfinden konnte und dennoch antriebslos war, verunsicherte ihn stark.
Dieser Widerspruch verstärkte seine Selbstkritik und den inneren Druck.
Rückzug als Schutzmechanismus
In der therapeutischen Arbeit zeigte sich, dass Herr K. über Jahre hohe Anforderungen an sich selbst gestellt hatte. Pausen kannte er kaum, eigene Bedürfnisse stellte er hintan.
Der Rückzug begann schleichend – als Schutzreaktion seines inneren Systems, nicht als Krankheit.
Neue Bewegung durch innere Erlaubnis
Ein wichtiger Teil der Therapie bestand darin, den Rückzug nicht zu bekämpfen, sondern zu verstehen. Schrittweise begann Herr K., seinen Alltag achtsamer zu gestalten.
Kleine Veränderungen und bewusste Pausen führten dazu, dass sich langsam wieder Bewegung einstellte – nicht aus Druck, sondern aus innerer Erlaubnis.
Dieses Fallbeispiel zeigt, dass Antriebslosigkeit ein Hinweis auf notwendige Neuorientierung sein kann.