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Wenn sich innerlich Leere ausbreitet – Gedanken aus meiner Praxis

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit einem Zustand, den viele Menschen kennen, aber nur schwer beschreiben können: der inneren Leere. Es geht um Sinnverlust, fehlende Orientierung und das Gefühl, dass innerlich nichts mehr trägt – ohne dass eine klare Depression vorliegt. Der Text soll einordnen, verstehen helfen und entlasten.

Wie sich innere Leere anfühlt

Viele Menschen berichten, dass sie im Alltag funktionieren, Aufgaben erledigen und Verpflichtungen erfüllen, sich innerlich aber leer fühlen. Alles wirkt flach, farblos oder bedeutungslos.

Oft heißt es: „Es ist nichts Konkretes, aber es ist auch nichts da.“ Gerade diese Unbestimmtheit macht die Leere schwer greifbar und belastend.

Leere ist nicht gleich Ruhe

Innere Leere wird häufig mit Ruhe verwechselt. Doch Ruhe fühlt sich getragen und erholsam an. Die innere Leere hingegen wirkt kalt, fremd oder sinnlos.

Sie geht oft mit Orientierungslosigkeit einher: Wohin geht mein Leben? Wofür mache ich das alles? Was gibt mir Halt?

Leere nach langem Funktionieren

Sehr oft entsteht diese Leere nach Phasen langen Funktionierens. Menschen haben über längere Zeit viel getragen: Verantwortung, Stress, Anpassung und Erwartungen.

Solange der äußere Druck hoch ist, bleibt für diese inneren Fragen kaum Raum. Lässt der Druck nach, tritt die Leere deutlicher hervor – nicht als neue Störung, sondern als Reaktion des inneren Systems.

Warum Leere sich nicht „füllen“ lässt

Viele Menschen erschrecken vor dieser Leere und versuchen, sie schnell zu füllen – mit Aktivität, Ablenkung oder neuen Zielen.

Doch Leere lässt sich nicht überdecken. Je stärker man sie bekämpft, desto hartnäckiger bleibt sie spürbar, weil sie oft auf etwas Wesentliches hinweisen will.

Leere als Übergangszustand

Häufig hängt innere Leere mit einem Verlust von Sinn zusammen. Dinge, die früher getragen haben, funktionieren nicht mehr. Alte Antworten passen nicht mehr, neue sind noch nicht gefunden.

Für viele ist es entlastend zu hören, dass innere Leere nicht automatisch eine Depression ist. Sie kann ein Übergang sein – ein Zwischenraum.

Ein therapeutischer Umgang mit Leere

In der therapeutischen Arbeit geht es nicht darum, diese Leere rasch zu beseitigen, sondern sie ernst zu nehmen: Was fehlt? Was trägt nicht mehr? Wo ist Orientierung verloren gegangen?

Orientierung entsteht nicht durch fertige Antworten, sondern durch Beziehung – zur eigenen inneren Welt, zu Bedürfnissen und Werten.

Innere Leere ist kein Zeichen von Versagen, sondern oft ein Hinweis auf einen Übergangspunkt im Leben. Wer ihr mit Aufmerksamkeit begegnet, kann darin auch eine Einladung erkennen, innezuhalten und dem eigenen Leben wieder Sinn zu erlauben.

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